dokument #76

Wir brauchen einen leeren, weissen Raum für uns, in den kein Geräusch dringt, und unsere außen vor geblieben sind. Eine Unmöglichkeit.

Das einzig klare ist, dass wir diesen Ort hier, an dem wir sind, verlassen müssen und wollen. Und dabei nichts von dem unaushaltbarem mitnehmen werden, das uns hier jeden Tag noch umgibt. Kein einziges unserer Besitztümer soll uns noch weiterhin, auch nur für eine Minute noch, begleiten, belagern. Kein Ton aus der Nachbarschaft soll uns jemals wieder erreichen, und sich in uns… manifestieren.

„Irgendwann ist man wieder auf Null“… – das sind wir anscheinend. Zumindest rein äußerlich, wenn die Maßeinheit, die man zu Rate zieht, die Bezugslosigkeit ist. Sie und… der Ekel, die Ohnmacht, und diese Leere, die einen von innen heraus, immer mehr aushöhlt und auffrisst.

So sitzen wir hier also, auf gepackten Koffern, ohne Inhalt, warten minütlich auf ein Wunder, das Veränderung heißt, und das es nicht gibt… und wissen, dass eine Antwort auf die Frage, vor der wir davonlaufen, immer unausweichlicher wird: „Wieso zur Hölle ist das, was einen umgibt, und das man nicht erträgt… immer um so vieles stärker, und mächtiger, als diese Kraft und das Können… es an sich abprallen zu lassen? Darüber zu stehen?“

Und irgendwann, ist man von diesem dagegen-halten, so mürbe geworden, dass man einfach nur noch weg von alle dem muss. Und wenn der zerrüttete Blick wieder ausreicht dafür nach vorne zu sehen, sitzt man da, auf diesen Koffern ohne jeglichen Inhalt, und wartet auf ein Wunder, wartet auf ein Zeichen aus einer anderen Welt. Alles besser als das… Sofort bereit loszugehen, wenn man nur wüßte wohin, und nie wieder umzukehren… – selbst wenn man auch dieses Mal die dumpf-gewisse Ahnung in sich spazieren trägt, dass das, vor dem man die Flucht ergreift und sich retten will, längst schon dort angekommen ist und auf einen wartet, wo man irgendwann vielleicht, am Ende einer zerreißenden Odyssee, einkehren wird und sich niederlässt.

Manches verlässt einen nicht. Egal, wie sehr man sich auch bemüht, es nicht zu sehen, es nicht zur Kenntnis zu nehmen… Und wenn der Punkt wieder mal erreicht wurde, dass etwas an seinem (natürlichen) Ende angelangt ist, ist das einzige, was meistens übrig bleibt, die Hoffnung darauf, dass die Fantasie ein weiteres Mal dafür ausreichen wird, im nächsten Neuanfang, die Kennzeichen der Wiederholung, mit anderen Nebenschauplätzen/ und -darstellern, gewissentlich zu übersehen, und stattdessen einen „Zauber“ zu riechen, der alle dem innewohnt, das anders erscheint, als das, was man mit geschlossenen Augen, von weitem schon, erkennt, und nicht länger mehr sehen kann. Kein einziges Mal.

Natürlich sagt man sich das nicht, sondern glaubt sich tatsächlich…

Und das einzige, das wirklich klar ist, ist diese unwiderlegbare Tatsache, dass wir diesen Ort, an dem wir hier sind, verlassen wollen und müssen.



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