dazwischen #1

Hier:Open Letter to M. Night Shyamalan: ‚Split‘ Perpetuates Stereotypes About People With Dissociative Identity Disorder“ kann man, bei Interesse, den offenen Brief einer Psychologin, die selbst DIS-Betroffene ist, nachlesen, der an den Regisseur des neuesten Hollywood-Kassenschlagers „Split“ gerichtet ist. Ein Film, in dem es darum geht, dass jemand, der angeblich an einer Dissoziativen Identitätsstörung (DIS) leidet, eben aufgrund jener Erkrankung/Störung, Gewaltverbrechen begeht.

Den Worten des Briefes ist im Grunde nichts hinzuzufügen.

Da ich selbst auch von DIS betroffen bin, kann ich eines ganz sicher sagen: Mein Leben ist weder eine „Freakshow“, noch eine permanente „Kostümparade“. Meine Selbst-Wahrnehmung ist infolge sehr früher, anhaltender Misssbrauchserfahrungen fragmentiert. Das ist auch schon alles.

Ich wüßte keinen Grund, wieso ich deswegen anderen Menschen Gewalt antun sollte. Vor allem nicht jene Gewalt, deren Opfer ich einst selbst wurde. Und ich kenne auch keinen anderen DIS-Betroffenen, der in irgendeiner Art und Weise fremdaggressiv ist.

Mir ist es schleierhaft, weswegen man schwerbehinderte Menschen wie uns, die nichts anderes wollen und versuchen, als ein „normales Leben“ zu führen, als psychopathische Monster, die anderen Leid zufügen, darstellen muss.

DIS ist eine komplexe Traumafolgestörung (die schwerste). Damit zurechtzukommen ist schwer genug. Dafür will ich kein Mitleid. Aber auch keinen Spott. Vor allem nicht von Menschen, die nichts anderes tun, als mit dem Bedienen von realitätsfernen Vorurteilen Geld zu verdienen.

Jede_r DIS-Betroffene wurde in seiner Kindheit Opfer schwerer, bestialischer Grenzverletzungen. Doch anstatt dieses Leid anzuerkennen, und die Verursacher_innen zu ächten, tragen solche Filme nur zu einem bei: dass wir uns gegen das dadurch entstehende „öffentliche Bild“ erwehren müssen selbst (potentielle) Täter/Täterinnen zu sein.

Das ist sowas von infam, dass einem die Worte dazu fehlen…


Danke für die Aufmerksamkeit… und gute Unterhaltung weiterhin.

2 Gedanken zu “dazwischen #1

  1. Ich verstehe, dass man, wenn man selbst betroffen ist, noch einmal einen ganz anderen Blick darauf hat. Ich habe den Film ganz zufällig in einer Sneak-Preview gesehen und habe danach lange drüber nachgedacht, wie die Krankheit für mich dort vermittelt wurde.
    Ich habe nicht mitgenommen, dass die multiple Persönlichkeitsstörung und Gewalt miteinander einhergehen. Dieser Teil des Filmes war für mich dann eher „Hollywood-Action-Kino“. Ich habe mir vor allem Gedanken über die Therapeutin gemacht, die ich nicht sehr kompetent fand.
    Ich kann verstehen, dass du von diesem Film nicht begeistert bist. Aber traurigerweise zeigt es ja vor allem, dass die Gesellschaft noch immer derart uninformiert darüber ist, dass Betroffene sich rechtfertigen müssen, um dem Eindruck entgegen zu wirken.

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