dokument #55

…und natürlich ist nach einem solchen Zeitpunkt erstmal alles in allerhellste Aufregung versetzt. Die im Innern überschlagen sich einander, sind außer Rand und Band gebracht. „Dass es so etwas gibt“…und: „mehr braucht es doch (gar) nicht“ – doch da täuschen sie sich. Das darf man ihnen so natürlich nicht sagen, denn dann wäre man nichts weiter als ihr Feind, ein Spielverderber, ein Wirklichkeitsverweigerer.. Und umso mehr wären sie in allerhellste Aufregung versetzt. Das muss man ihnen lassen… denn sonst verstehen sie nicht.

Zwei, drei Tage dauert das, hoffentlich, dann ist das ärgste überstanden, bevor es wieder von Neuem in Gang gesetzt wird. Denn dafür reicht ja schon die allerkleinste Kleinigkeit… jedes Lebenszeichen von jemand ganz bestimmten z.B., das zu einem durchdringt, einen erreicht. Oder der Gedanke daran. Das Vorhandensein der Möglichkeit_en. Die verschwommen-allzu helle Gewissheit darüber, dass etwas tatsächlich passiert ist. Dass man ein Teil davon war und gewesen ist. Alle Lust will Ewigkeit, das ist ihr Irrtum. Denn wenn dem so wäre, wäre sie flach, und von sich selbst mehr als genervt und abgestumpft. Dann bräuchte sie Urlaub von sich. Viel dringender, als sie das von ihrer Nichterfüllung je bräuchte.

Alles, außer das permanente Wiedererleben der Erinnerung an das, was tatsächlich war, ist jetzt gerade zur Unmöglichkeit geraten. Man hängt fest in einer Zeitschleife, und jeder der daran beteiligt gewesen ist, hält seine eingefangenen Momentbilder hoch und so fest, als wären sie etwas, das es zu verteidigen ist, gegen einen Feind der die Gegenwart ist. Von innen werden sie vor die aufgerissenen Pupillen der Augen geschoben, die noch viel größer und geweiteter sind als an anderen Tagen. So viel ist zu erzählen und immer wieder aufs Neue zu sehen. „Dass es das gibt…“. Die Zeit hat einen Schluckauf bekommen, der nie wieder abklingen soll. Erstarrt sitzt man da und unternimmt nichts, dass der Zeit dabei behilflich sein könnte, weiter vonstatten zu gehen. Stattdessen liegt man lieber da, ohne je wieder aufstehen zu können, denn wenn man das tut, verliert man sich in einem Körperempfinden, das viel zu fremd und zu groß erscheint für den Moment. Man weiß nicht wohin mit sich selbst in dieser Untragbarkeit. Man kann nichts anders tun, als den inneren Erzählungen zu lauschen, die nichts weiter als die Beschreibung eingebrannter Momentbilder sind. Aus immer wieder anderen beteiligt gewesenen Blickwinkeln sieht man sie wieder. Mit immer wieder anderen Stimmen, von denen jede einzelne nach Anerkennung schreit, werden sie erzählt. Gäbe man ihnen die Aufmerksamkeit, die sie jetzt brauchen nicht, so würde sich ihr Tonfall ändern. Und die Augen, die in der Gegenwart nichts mehr sehen und wahrnehmen können, würden durchbrochen sein. Dann hätte man jegliches Maß endgültig verloren.

„Ordnung“ ist da vorerst keine reinzubringen… Schon der Versuch sie anzudenken, ist und wäre fatal. Worauf sollte sie sich auch aus als Ausgangspunkt beziehen, wenn nicht…? Töricht ist das, was im äußeren liegt. Wenn etwas, oder genauer gesagt: jemand, dort als „Ziel“ verstanden wird, das es zu erreichen gilt. Das ließe nur die Grenzen verschwinden, von denen man ohnehin schon nie genau weiß, wo sie situativ zu verorten sind. Wo er liegt dieser Punkt, an dem die Durchlässigkeit am undichtesten ist..

So lange Zeit und Raum vorhanden sind, ist da auch nichts, das weiter etwas bräuchte, als dieses Nachbeben ausklingen zu lassen. Dieses Nachbeben, das aus paralysierenden aufsteigenden Bildern besteht, sowie den Stimmen, die sie paralysiert davon erzählen, beschreiben und sich so aufsagen und einreden, als ob sie heilsame Mantras sind… alles, das zu sagen noch einen Sinn ergibt. Und mehr braucht es ja auch nicht. Alles, was man tun kann und zu tun hat, ist den Raum nach außen hin zu isolieren. Auf dass nichts versehentlich „mit-geteilt“ wird, das entstellt-verzerrte Reaktionen hervorrufen würde, die weder gewollt sind, noch eine andere Wirkung haben und hätten, als die, jene Durchlässigkeit, die einem meist nicht mal gewahr ist, zu vergrößern, ohne dass sich das wieder umkehren und einfangen ließe.

Zeit und Raum… wie so oft. Und wenn sie vorhanden sind, ist auch nichts weiter dabei, wenn jemand sehr kleines immer und immer wieder zu den Stofftieren hinklettern muss, um ihnen die immer selbe Frage aufs Neue zu stellen. Eine Frage, auf die er gar keine Antwort erwartet oder gar bräuchte. Denn die Antwort ist ohnehin ja bekannt. Natürlich können die Stofftiere niemanden kennen, der ihnen gar nicht vorgestellt wurde. Doch gleichzeitig wissen sie ja sehr gut darüber Bescheid, von wem genau da nun gerade die Rede ist, weil all das damit einhergehende so unendlich vertraut ist. Die Bestätigung des Vertrauten schafft Sicherheit. Auch wenn man sie im nächsten Augenblick schon wieder verloren hat. Wie hat sie sich anzufühlen, wenn Augen nicht sehen, was nicht da ist.

Stofftiergeduld. Diese Geduld, die nicht nur sich selbst eingeredet ist. Diese Geduld, die es braucht, wenn einer in Zeitsschleifen, und seinen parallelen Welten festhängt. Immer wieder von vorne, ohne dass sich daran gerade etwas ändern ließe. Sie kennen das, wissen, wie all das beschaffen ist. Sie rollen nicht mit den Augen, oder äffen nach und sind genervt, wenn sie immer wieder aufs Neue derselben Frage ausgesetzt werden. Sie halten auch kein Teilstück einer durchlässig herausgerutschten Wahrheit in die Höhe und erklären mit ihm, ohne dass danach gefragt wurde, wie sie im Allgemeinen zu bewerten ist. Welche externen Empfindungen sie auslöst_e, und welche Prognosen sich nun aus ihr ableiten lassen.

Echte „Geduld“, die auch etwas nützt ist an_teilnahmslos. Genau das macht sie ja so ergiebig und brauchbar… „Verständnis“ ist meist nichts anderes als jemandem die eigenen Gefühle, samt ihren heimlich brodelnden Absichten überzustülpen, und tatsächlich noch zu glauben, dass das jetzt etwas nützt und auch bringt. Tut es ja auch: man muss sich selbst nicht weiter mit ihnen befassen… obwohl man genau das doch eben sollte.

Zeit und Raum, diese Lebensnotwendigkeit, die es zu erlangen, zu erhalten…und zu verteidigen gilt. Kein anderer Mensch kann und darf jemals zum  „Ziel“ ernannt werden, das zu erreichen ist und sein kann, das funktioniert einfach nicht… Nur in schlechten Büchern, abgeschmackten Filmen und sinnlosen Liedern ist das eine Möglichkeit… und immer genau dann, wenn nach dem Happy-End der Alltag beginnt, ist ihre Geschichte meist schon zu Ende erzählt. Heilsversprechen, auf dem Niveau einer unmittelbaren Suchtbefriedigung. Nur der nächste Kontakt mit der an sie gekoppelten Substanz ist noch von Bedeutung. Dahinter: nichts. Und darin noch viel weniger. Eine ganze Ablasshandelindustrie, die es sich davon gut gehen lässt… Doch so einfach darf es nie werden. Das hat man sich wert zu sein.

Und über allem liegt, wie feuchter Morgenreif, dieser Eindruck der totalen Endgültigkeit. Obwohl all das vorhanden-stattfindende als dem Schönen zugehörig empfunden wird, zu dem es zweifelsohne gehört, ist er da. Dieser Eindruck einer absolut-totalen Endgültigkeit. So als sei_en eine oder mehrere sehr gewichtige Entscheidung_en zu treffen, die nicht weiter aufschiebar sind. Dabei ist das Quatsch, und lediglich der Tatsache geschuldet, dass man eine unglaubliche Angst vor sich selbst hat. Angst vor all dem Zittern und der Durchlässigkeit. Angst vor dem „brauchen“ und dem „gebraucht werden“, für das man doch so oft in keinster Weise mehr erreichbar ist, wenn die Er_lebenswelten sich drehen und einen dorthin ziehen, wo niemand anderes je mit hineinkommen darf, und das auch gar nicht kann oder je sollte. Ein offenes Buch ohne Worte, das sich immer dann vor einem verschließt, wenn man nach ihm greift. Denn würde man es zu fassen bekommen, brennt es sich ein an den Stellen, die es berührten. Und genau das will man nicht, und nennt es sogar noch „Selbstschutz“.. Wo liegen da die Grenzen, und wie zeigt man sie?. .Wie bleibt man da, wo man zu sein hat, wenn man nie weiß wo das ist?

Und die Musik, die ununterbrochen im Hintergrund läuft und einen beschallt, einen in ihren rituellen Bann gezogen hat, erzählt von Verzweiflung und innerem Leid, von majestätischer Traurigkeit, weil all das ja dazugehört. So wie man Süße mit Säure ausgleicht, um den Mund nicht allzusehr zu verziehen…

Und mal wieder vergisst man, wie viel zu oft, Wasser zu trinken. Man denkt gar nicht daran dieses Wasser auch zu trinken, das man deswegen schon extra neben sich platziert hat, damit es so vor dem erneuten vergessen bewahrt werden kann. Das wäre viel zu einfach und zu sachlich, viel zu konkret. Eine Arbeit, die einen überfordert, und aus der Bahn werfen wird.. Kaltes, klares Sprudelwasser trinken, absolut irrelevant.

So ist das, wenn etwas erlebt wurde, vom dem man ein Teil war und gewesen ist..  sogar ein sehr wesentlicher. Wenn etwas, das viel mehr zählt als all das weitere, das „unter ferner liefen“ läuft, geschehen ist… vier Tage später ist es vielleicht überstanden. Verkraftet, zu Ende erzählt.

Und dieser Kampf um Konzentration, die augenblicklich stets einbricht, und mit dem, das man zu gegebenem Anlass mit-teilen darf, kann und sogar auch sollte, damit es weitergeht.. und dem, das man für sich behält, um so die Grenzen zu erlernen, die man nie kannte….und wahrscheinlich auch nie wollte, eben weil man sie nie kannte. – II:Die Bestätigung des Vertrauten schafft Sicherheit…:II. Ha.

Und all das ungesagt Unaussprechliche. .. das die Bedeutung_en, die man einem Menschen gibt, und die er so für einen erhält, viel wirklicher erscheinen lassen, als diesen Menschen tatsächlich zu sehen.. jeden Moment muss man sich ihrer vergewissern, auf dass sie die Sicht nicht versperren. Muss sich ihrer selbst bestätigen, um sie zu erkennen, in diesem permanenten Wechselspiel der Entscheidungen wie man einem Menschen gegenübertreten will..

before we go… what can we learn from this
…mein Freund



Eine neue Zeitrechnung hat Einzug erhalten. Natürlich wird man ihrer erst gewahr, wenn es mal wieder zu spät dafür ist. Und wie so oft ist man noch gar nicht bereit für all diese Zeit, mit der sich nicht rechnen lässt, weil der einzige Faktor der ihr gegenüber konstant erscheint, die absolute Bezugslosigkeit ist… Das in ihr Verloren-Sein.

Da war ein Zeitpunkt, und seitdem….

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