dokument #39

Die fragmentarischen Tage vergehen, so als wäre man Tinte, die auf Löschpapier tropft. Gedanken verstreichen, bevor sie zu Überlegungen werden. Manchmal sitze ich da und versuche sie aufzuschreiben, bevor sie wieder komplett verschwunden sind, in diesem sonderbaren Treibsand, aus dem ich bestehe.

Gerade eben saß ich da mal wieder. Ich schrieb und schrieb über etwas, das heute stattgefunden hat, und worüber ich nachdenken will, da ich bis morgen eine Entscheidung getroffen haben muss. Fünf oder sechs Seiten lang gelang es mir sogar den Faden zu halten. Doch dann riss er ab. Er war verloren und nicht wieder herstellbar. Jeglicher Bezug zu dem Geschriebenen war mit einem Male fort.

Schon währenddessen hatte ich andauernde Aussetzer, phasenweise Black-Outs, an die ich mich jetzt im Nachhinein, natürlich nicht mehr erinnern kann. Nur dieser Eindruck, dass meine Konzentration immer brüchiger wird, der ist geblieben.

Diese ständigen Unwirklichkeiten. Dieser absolute Mangel an Linearität. Verbindungsstücke fehlen. Kein Anknüpfungspunkt ist mehr vorhanden, der mir verraten würde, ich welchem dieser parallelen Handlungsstränge ich gerade bin. Keine wenn…, dann – Logik, die übrig bleibt, oder hier brauchbar ist…

Manchmal muss man warten, bis das Licht wieder zurückkehrt. Und manchmal darauf, dass es sich abschwächt und nicht mehr so blendet.

Wenn mir die Bilder der Worte mit einem Male fremd sind, oder sie entschwinden, dann ist es so, dass ich taub bin. Das Diktat ist verstummt. Das Tropfen des Wasserhahns dringt wieder in mein Ohr. Das Husten des alten Mannes hinter der Wand ist wieder mein Feind.

Das gute an Struktur, Form und Regelmäßigkeit ist, dass man die Abweichung(en) davon sehr viel schneller erkennt und ihren Unterschied zu dem Gewohnten benennen kann. Doch wenn alles permanent in alle Richtungen willkürlich ausschlägt, fehlt der Orientierung ein Fix-punkt, von dem aus sich bestimmen lässt, wohin und worum „die Welt“ sich gerade dreht.

Es wäre schön, wenn all das Schreiben darüber, nichts weiter wäre als lediglich ein Hobby. Ein Zeitvertreib, dem man eben so nachgeht, wie es einem beliebt. Wenn diese Notwendigkeit nicht bestünde, sich so ein Gedächtnis zu schaffen. Etwas, auf das man Bezug nehmen kann und das das Abstrakte entschlüsselt.

Auch wenn es nichts weiter als ein Schattenspiel, in tiefster Dunkelheit ist.



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