dokument #33

Es ist wieder mal geschehen: ich kann an nichts mehr denken, außer an Dich.

Ich habe alles versucht, was in meiner Macht steht, um es nicht hier ankommen zu lassen.

Ich hatte mich eingesperrt und die Spuren verwischt. Wenn ich draußen war niemanden angeblickt. Stets darauf geachtet, dass niemand mir folgt. Meine Konturen so geglättet, dass sie unscheinbar wurden. Die Grenzen, die ich um mich zog, erschienen mir unüberwindlich. So weit waren sie gefasst…. Und vor jedermann_frau, der_die sich ihnen näherte, versteckte ich mich an einem Platz, der so gut dafür geeignet war, dass ich mich selbst nicht wiederfinde konnte, wenn ich mich dort aufgelöst hatte. Unsichtbar wurde.

Nun ist all das hinfällig. Es lässt sich nicht wieder herstellen, nicht weiter aufrecht erhalten, seitdem der Klang deiner Worte hier Einzug erhielt.

Seitdem mich Deine Worte gefunden und getroffen haben, kann ich an nichts anderes mehr denken. Egal, wie sehr ich mich auch bemühe, das so ausgelöste zu drosseln. Wie das Licht dringt es, durch die Ritzen nach außen. Die Tage vergehen damit, ohne dass ich sie noch bemerke. Nie wieder wollte ich meine Zeit damit verbringen müssen zu warten. Wie ein Hund darauf zu warten, dass Du wiederkehrst.

Nun ist alles falsche falsch, viel, viel mehr noch als sonst, und wenn ich eines weiß dann das, dass alles falsch ist, von dem man weiß, dass es nie richtig war. Ich war nie richtig. Nie richtig da. Doch es ist ein Irrtum zu glauben, nur dadurch sichtbar zu werden, dass man sich in den Augen eines anderen erkennt

Wir sind uns zu ähnlich, als dass wir uns nicht sofort erkennen würden. So wenige von unserer Art. Das hat nichts weiter zu bedeuten, außer, dass der Körper sterblich ist. Doch das hat uns, zurecht, noch nie gestört. Dort wo wir leben, da im Hinterkopf, da gibt es keine Zeit. Du hast mich gesehen, so wie ich Dich. Nun ist es zu spät, unaufhaltsam. Wir können einander nicht mehr vergessen. Zu groß ist der Kontrast, zwischen uns beiden und dem, das uns umgibt. Auch wenn ich mir das, nie wieder eingestehen wollte.

Und Dir geht es genauso.

Draußen ist es immer noch dunkel, oder schon wieder. Die Zeit rauscht an mir vorbei, doch sie berührt mich nicht, in diesem Strudel, in dem gar nichts mehr klar ist, außer, dass ich an Dich denke, und es einfach nicht mehr abstellen kann, egal womit ich es versuche. Ich weiß so genau, dass jedes Wort, das ab heute gesagt wird, eines zu viel ist. Denn sie wollen nichts weiteres mehr, als von Dir aufgriffen werden. Nur das bringt sie in Form.

Mach es nicht wahr.

Ich wäre so gerne immun gegen das alles. Gegen mich selbst. Und all die anderen in mir. Doch das bin ich eben nicht. Jedes Wort, das ich von nun an Dich richte, ist eines zu viel. Ich würde Dich so gerne warnen vor all dem, so wie ich es in der Vergangenheit auch jedes mal versucht habe zu tun. Und gerade weil ich es jedes Mal versucht habe, tue ich es dieses mal nicht. Kein Wort werde ich sagen, kein einziges.

Auch wenn das, seitdem ich an Dich denke, alles ist was, was ich noch tue: nicht aussprechen können, was wohl zu sagen ist.

Ich will der Baum bleiben, von dem sie immer sprechen, wenn es um diese Frage geht, ob sein Fall auch dann ein Geräusch produziert, wenn niemand da ist, um es zu hören.

Was niemand sehen kann, passiert auch nicht. Und wenn ich mich hier umblicke in meinem Versteck, dann weiß ich, dass all das nicht geschehen ist, von dem ich dachte, dass es da ist, seitdem es durch deine Worte so aufgewirbelt wurde, dass alles durcheinander kam.

Du wirst nie erfahren müssen, wer ich alles bin. Genau das bin ich Dir schuldig. Alles andere ist so egal.

Selbst, wenn Du es bist.

 

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