dokument #32

Manchmal ist da so eine abgespaltene Wut auf die DIS, die neben einem steht. Eine, die sich aufbäumt und brodelt. Alles unerträglich macht.

Die alles an sich reissen will, um es zu zerstören. Die unglaublich zornig ist auf all jene, die neben ihr stehen, und alles, was sie ansonsten noch sieht. Die die Schlagwort-Fetzen nicht länger hören kann: DIS, Dissoziation, DSNNS/DDNOS, „viele-sein“, Innies, Host, Trauma, System …und immer so fort.

Sie ist unsagbar blind, abgrundtief hässlich. Und schüchtert alle ein.

Sie kommt immer dann, wenn man zu sehr geschwommen ist in dieser „eigenen Soße“. Immer dann, wenn man selbst nichts mitzuteilen_zu sagen hat, und deswegen auch viel zu viel unwillkürliches Zeug darüber liest. Z.B. wie andere, die man nicht kennt, mit alle dem in sich umgehen. All die ungezählten Vornamen für ein Da/Sein ohne „eigene Identität“…

Definitionen und Glaube / Zweifel und Veränderung.

Da kocht sie die Wut und schreit uns entgegen :“Ich will so nicht sein, dass ich mich für immer da(rin) einrichte, vor lauter, lauter, lauter gar nichts anderes mehr seh‘. Mich im identifizieren verliere…es zu Tode dekliniere. Und dabei für alle Zeit in dieser Sprache weiter spreche, die fast kein anderer versteht…(wie) kann man das wollen ?“

Dass sie unfair ist weiß sie…und wir, wir sind ihr im Weg. Diese Wut. So blind und berechtigt. So einzig und allein.

Sie braucht kein „Verständnis“, um das es, zu oft, immer dann geht, wenn unverständliches die Norm sein will. Dieses Nehmen ohne Geben.

Dass sie da ist, lässt sich nicht abstellen oder ändern. Man kann nur abwarten. Zusammen warten auf nichts.

„Wir“ sind der Fortschritt. Ohne Name und Ziel…und sie hat Angst vor unserem Ein-klang.  Angst, dass sie uns nicht (auch noch) überlebt. Nicht wieder. Oder auf Dauer…

„Warten wir’s ab“, denken wir, und rutschen zusammen. Halten uns warm und die Ohren zu…


In der (äußeren und inneren) Realität weiß man, worauf man jetzt zu achten hat : Raum schaffen, viel Raum schaffen. Ihn frei halten und zugestehen. Sich allen äußeren Blicken usw. entziehen. Jeden Inneren ausreden lassen. Ihn mitteilen lassen, was er zu sagen hat. Doch ja nicht versuchen sie zusammenführen… Kein „pro- und contra“. Kein „sieh es doch mal so“… Das unzulängliche ausatmen lassen. Seine/die Worte nicht werten. Sein Gewicht und seine Bedeutung nicht künstlich erhöhen…

….es geht vorbei irgendwann. Es geht vorbei.

 

Wut ist sehr einfach. Viel einfacher zu aktivieren, als all das unerträgliche. Es ist einfacher wütend zu sein, als traurig z.B. Viel einfacher wütend zu sein, als zu verstehen und sich einzugestehen… Deswegen verengt sie den Blick. So sieht man nicht, weswegen sie da ist. Und was sie versteckt.

Wer immer wieder kommt führt ′was im Schilde…

Doch eines muss man ihr lassen: die Selbstverständlichkeit, mit der sie dieses Fremdwort „ich“ aussprechen kann. Mit welcher Leichtigkeit es ihr entwischt. Fast hat es den Anschein, dass ihr ganzes Sprachgut, einzig und allein, aus diesem Fürwort besteht…

Fast den ganzen Tag war sie nun hier. Hat sich aufgebäumt, gebrodelt. Alle eingeschüchtert und (sie) verdrängt. Den ganzen Raum für sich beansprucht. Nichts anderes gesehen, in ihrer Blindheit, außer sich selbst…Später, als sie weichen konnte, und von uns ging, sah sie fast traurig aus. Auf einem kleinen Stück Papier, hat sie uns eine Botschaft hinterlassen. Die einzige, von all unzähligen Versuchen heute, die sie nicht sogleich wieder zerriss:

„Ich weiß, dass die, denen ich das „abspalten-müssen“ verdanke Täter sind, wegen alledem, dass sie mir angetan haben. Doch es gelingt mir nicht den Schluss daraus zu ziehen, dass ich ein Opfer bin …

Und ganz sicher nicht: ihres.“

Steht da.


Die Wut hat überlebt.
spiegelscherbenkind (2016). dokument #32 [disparat] multiple systematik

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