dokument #25

Und dann sitzt man da und muss einfach lächeln, fast sogar schon so, dass es ein Lachen ist, weil man wieder mal feststellen muss, wie erst diese ganze Sache mit einem doch ist. Diese blödsinnige, nebulöse Zersplitterung, die einen ununterbrochen beschäftigt. Auf Trab hält.

Ich sitze dem Therapeuten gegenüber und habe mal wieder jeglichen Bezug zu allem, und infolgedessen natürlich auch den Gesprächsfaden, verloren. Mitten im Satz weiß ich gar nicht mehr, wie er irgendwann einmal begonnen hat. „Wer“ den Anfang machte ihn zu bilden… Von einem Moment auf den anderen bin „ich“, plötzlich und wieder, ganz still, kann nicht mehr weitersprechen und alles, was gerade noch da gewesen sein muss, ist fort.

Das passiert ständig.

In hilfloser Verwunderung schaue ich den Therapeuten an, gebe so ein vertrautes Bild für ihn ab. „Worum ging es gerade?“ frage ich in Richtung seiner Augen. „Worüber haben wir gesprochen?….und was habe ich gerade gesagt?“

„Sie waren im Begriff, mir zu schildern, was die letzte Sitzung in ihnen ausgelöst hat. Da hatten wir über ihre Tätigkeit ganz früher gesprochen und ich hatte da ein Bild vor Augen gehabt, von dem, was sie da alles geleistet haben. Gerade hatte ich sie gefragt, ob es nicht gut gewesen sei, als Anerkennung dieser Leistung, diese löblich hervorgehoben zu haben. Daraufhin hatten sie die Assoziation : Blut.“

Ich muss einfach lächeln, als er das sagt. Diese ruhige, kluge Art, mit der er es wiedergibt. Eben noch drehte sich alles in mir. Und so gesprochen erscheint es mir als reiner Irrsinn, woraus meine Gesprächsbeiträge i.d.R. bestehen.

Wie das wohl sein muss mit mir in Therapie zu arbeiten?

Das Jodeldiplom von Loriot fällt mir ein. „Chronische Traumastrudelfetzen“ denke ich, „da hab ich was Eigenes, wenn die Kinder, die es nicht gibt, mal aus dem Haus sind…“

Eines muss man dieser blödsinnigen, nebulösen Zersplitterung ja lassen: Die Langeweile ist ihr fremd.

Doch wie bei jedem „leichten Lächeln“, an dem ich mich versuche, wird mir sogleich gewahr, wie grotesk das ganze doch anmuten muss. Und tatsächlich ist.

Also probiere ich es weiter mit dem Versuch zu erklären, wieso jedes Lob, das mir zuteil wird, dazu führt, dass da „Blut“ zum Vorschein kommt…: sie sehen dann nämlich nur den „äußeren Modus“, der gerade abläuft. Und nicht den, der „ich“ bin in alle dem. Der Hilflose am Rande. Der, der hin und wieder zu sich kommt, und aus dem dann das Lachen des Idioten heraus bricht (im besten Fall), wenn ihm gewahr wird, worin er gerade gefangen ist. Der dann versucht auszubrechen, aus diesem Konstrukt, das ihm so unglaublich fremd ist. Bedrohlich, beängstigend fremd ist. Doch jemand anderes in ihm, ist damit gar nicht einverstanden…Und eins führt zum anderen. Bäumt sich auf zu einem ohrenbetäubenden Crescendo…bis der Faden abreißt, und es mit einem Male ganz still ist, weil endlich etwas schweigt, das für den Augenblick tot ist. Ausgeschaltet in einem selbst auf dem Boden liegt.



Worüber wollte ich schreiben?…

 

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