dokument #22

Wenn „nichts“ los ist hegt man die meisten Befürchtungen gegenüber dem nächsten Schritt, der zu tun ist. Genau dann, wenn gerade kein „muss“ anwesend ist, das einen in den Modus der inneren oder äußeren Flucht hinein katapultiert, erscheint es einem, als ob man sich versteckt vor etwas, von dem man gewohnt ist, dass es an einem zerrt.

Dabei ist das ein Trugschluss. Allerdings einer, der dadurch zustande kommt, dass er versucht die Erfahrungen, die man machte, zu messen. Zumindest die Angst vor Wiederholungen derselbigen, und das gibt den Ausschlag.

Und allem, das im Bereich des Möglichen liegt, haftet gleichzeitig auch jene Sorge an, dass man sich durch die Hingabe daran verliert. Außerhalb des eigenen Blickes gerät sozusagen, der doch immer nur Kommentator bleibt auf seinem abgespaltenen Posten.

Sich selbst bewahren vor etwas, das durch die geringste Einflussnahme von außen zu einem Selbstläufer wird, einem Programm, das sich dem eigenen Zugriff entzieht, als Hauptantrieb der Vermeidung. Jede „Suche nach sich“ letztendlich nichts weiter als ein „sich nicht wiederfinden können“ in dem, das geschieht, oder gerade passiert ist.

Die Mittel der Selbstverwirklichung nie gelernt. Das „Wissen um sich“ ein negativistisches Ausschlussverfahren, an dessen Ende nichts übrig bleibt, das, zumindest in Schemen noch, ein Bild erkennen lässt, das für etwas steht. Nichts, aus dem sich etwas konstruieren liesse, das eine Handlung in Gang setzt. Erst auf der Metaebene wird deutlich, was sich aus Mangel an „ich“ nicht ausdrücken, nicht umsetzen, lässt.

Und genau die soll ich verlassen.

Ein Gedanke zu “dokument #22

  1. Hier wird oft von therapeutischer Seite gesagt, dass wir einen starken Kern (ich?) haben müssen, sonst würden wir nicht mehr leben, wir selbst sehen ihn nie. Wahrscheinlich versteckt er sich vor uns, wir sind wohl nicht sicher genug, damit er sich herauswagen kann. Ich war nie fassbar, keine Sekunde in diesem Leben.

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