dokument #21

Wo steht die Uhr und was sagt sie ?

…und bei allem, das gerade rumort, sich seinen Ort sucht, den es besetzen oder sich an ihm einfügen kann, weil es dort für einen Moment seiner Zeitwahrnehmung entspricht, lacht man auch darüber, weil einem beim Schreiben des Wortes „Uhr“ die Fragen wieder einfallen, die man sich heute, beim Wachwandeln da draußen, unter den schemenhaften Menschen, die vorbeiströmten, stellte : „Wer schreibt eigentlich die Uhrzeit vor, die gerade zu sein hat ? Gibt es dafür ein Gesetz ? Wer bestimmt, wie spät es ist ? Und was geschieht mit einem, wenn man sich weigert es genau so zu sehen?…“

Strapazierte Gedanken, die sprechen. Folge des Zuviel an Reizen. Denn sie sprechen von „Flucht aus diesen Zuständen, in denen man sich wähnt“. Verlangen von etwas Äußerem, dass „alle_s“ zusammenhält, dass es sich einem einzelnen Inneren beugt und es ziehen lässt. Und wenn nicht, so doch zumindest sein anders-sein nicht weiter reklamiert, das sich nicht weiter erklärt, als durch stummes Verweigern. O Bartleby, o Stundentakt.

Man sagt so oft „Freiheit“ und denkt tatsächlich „frei von Verantwortung sein“. Doch das bedeutet sie nicht.

*

Die Lust ist sehr groß gerade Kaffee trinken zu wollen und dabei weiter an dem Versuch zu scheitern das Tagebuch zu sehen. Auf dass darin geschrieben steht, welchem Zweck es entspricht…Kaffee zu trinken, an dem man sich festhält, und der einem auch nicht erzählt, welchem Zustand der Vortritt gebührt : der über einen längeren Zeitraum nicht schlafen zu können oder der erst gar nicht richtig wach zu werden. Den lieben langen Tag, der zu kurz ist.

Kennen tut man sie beide. Mehr als zur Genüge. Doch gleichzeitig auch nicht. Denn währenddessen sind sie ja zu offensichtlich, als dass man sie sieht.

Man denkt an Kaffee und an die Lust, die nichts bringt. Man starrt die Uhrzeit an und fragt sich : „Was sagt sie aus über mich? Wie hat man jetzt gerade zu sein ?“

Zeit für die Pillen, flüstert die Uhr. Gegen den „Wahn“, und zur „Beruhigung“. Doch dieser Körper, der gerade immer erst aufwacht, wenn es zu spät ist, versteht sie wohl nicht. Und ich habe auch keine Worte mehr dafür, ihm zu erklären, dass der schreiende Wecker morgens kein Feind ist, den es schnellstmöglich zu beseitigen gilt.

Aber er verteidigt mich, das muss man ihm lassen, auch wenn jeglicher Zeitabgleich infolgedessen dahin ist. Wahrscheinlich ist das seine Art mir „Danke“ zu sagen dafür, dass ich ihn nicht weiter vernichte. Schlimm, wenn man sich selbst der größte Feind ist…

Wo steht die Uhr und was sagt sie ?

So viel Zeit ist vergangen seitdem und es tut immer noch weh.

 

Ein Gedanke zu “dokument #21

  1. Hallo spiegelscherbenkind,

    hier bei uns ist schon sehr viel Zeit vergangen, der Schmerz ist selbst nach Jahrzehnten nicht weniger geworden, auch die Angst nicht. Haben schon öfters versucht das Alles zuzulassen, dass es dann vielleicht aushaltbarer wird. Wurde es nicht, höchstens in absolute Auswegslosigkeit haben wir uns verstrickt.
    Wir haben zum Glück mittlerweile gute, wohl auch verlässliche Helfer an der Seite.

    Das Hauptproblem ist für uns hier die Zeit, gestern wird unzählige Male zum Heute, dass ist dann halt nicht aushaltbar und driftet nach einiger Zeit (Wo steht die Uhr und was sagt sie) in den Nebel, der Alles ausschaltet, dann gibt´s ein Auftauchen wenn es gut geht im Heute, wenn es schlecht geht im Gestern.

    l.g. sternenstaub

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