dokument #9

Manchmal, wenn viel los war, was ja im Grunde immer so ist, entdeckt man im Nachhinein, durch Zufall, eine Spur in seinem Inneren, die einem einen möglichen Auslöser für etwas aufzeigt, das einen schlimmen Zustand der letzten Tage erklären könnte.

Und wenn man ihr beharrlich weiter folgt, tauchen nach und nach Erinnerungsfetzen auf. Grell und verschwommen zugleich. Wer hat was getan? Was ist passiert, und was geschah dann danach ?

So vieles, das weg und unerklärlich wäre, wenn man es nicht aufschreiben würde. Die alltägliche Erinnerung trügt. Sie schließt die Lücken, die ihr unerklärlich sind, so dass sie fast nicht zu bemerken sind. Denn ihr Primärziel ist das, nicht in Frage zu stellende, Funktionieren. Und das, was einen „rauswirft“ ist dann sowieso jemand anderes gewesen….Entfremdete Erinnerung, schemenhaft und blass. Und so weit entfernt, als sei es nie gewesen…Nur durch genaues Nachfragen, das schwaches Licht in tiefe Dunkelheit bringt, stellt man fest, wie viel tatsächlich fehlt.

Was ist passiert ?

So viele verschiedene, parallele Handlungsstränge, die nur durch Beleuchten der Schnittstellen für einen selbst, zum Teil, ersichtlich werden….

 

…doch jetzt gerade geht es nicht darum, dass man womöglich eine Spur in sich gefunden hat, die einen vielleicht zu einer Erklärung führen könnte, was die letzten Tage passiert ist, als man wieder mal da draußen rumlief und nicht anders sah, als jenen Schwindel in sich, der jeglich Handlungsfähigkeit einfriert. Denn jetzt gerade geht es darum, dass  jegliches Zeitgefühl abhanden ist…

Also versucht man noch schnell schriftlich festzuhalten woran man sich erinnern kann…auf dass man es morgen, wenn hoffentlich Zeit dafür ist, ausleuchten kann, um zu verstehen was passiert ist.

Wer war „ich“?

Alles zerrinnt wie Sand zwischen den Finger…und die Lücken schließen sich unbemerkt, als wäre all das tatsächlich niemals geschehen.

Das Zeitgefühl ist abhanden…man hört all die Wecker, die man sich stellt, schon gar nicht mehr. Langsam nimmt es überhand. Man weiß schon gar nicht mehr, ob Tag oder Nacht ist, welche Uhrzeit zu sein hat…alles zerrinnt.

Und morgen hat man Termine, an die man sich halten will…also versucht man nach Innen zu schlichten, nimmt noch eine Tablette, versucht vorzuspielen, dass die sinnvollste Tätigkeit jetzt einzuschlafen ist….doch man will verstehen, der Spur weiter folgen.

Doch es geht darum, dass man morgen rechtzeitig auf ist, völlig gleich, ob man geschlafen hat, die Wecker dieses mal nicht überhört….damit man rechtzeitig in Therapie vor der Frage sitzt : wie geht es weiter und was ist passiert.

Hoffentlich erinnern wir uns dann an die Spur, die wir haben, anstatt in die Dunkelheit zu starren, die wie Sand in unseren Augen zerrinnt. Und kein Wort sagen zu können, von alle dem, weil die Lücken, wieder mal, so makellos verschlossen sind…

 

Funktionieren.

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