dokument #7

Struktur. Das ist das wichtigste Wort bei alle dem. Das kann man gar nicht groß genug schreiben : STRUKTUR.

Sie ist immer das Ziel. Der Rahmen, der fehlt.

Die innere/äußere Struktur, „Ich“-Identitätsstruktur, die Strukturierung des Alltags…

Struktur ist die Dynamik der Ordnung, aus der heraus die Orientierung ihre Informationen bezieht. Es ist gut zu wissen, wo  etwas zu verordnen ist.

Wenn man das Abgespaltene zu beschreiben versucht, jenes, das eigenständig-parallel denkt, fühlt und handelt (handeln will), dann tut man dies oft räumlich. Man sagt, das „etwas“ hinter einem steht oder vor einem sitzt….dass man in den Hinterkopf geschoben ist, zur Seite gedrängt wird…usw.usf.

Und beim Hören nach innen, spürt man die Herkunftsrichtung der einzelnen Stimmen der Polyphonie. Zumindest die von jenen, die einen nicht „zur Seite schieben“. Jene sind die, die man beschützt. Vor denen, die „einen verdrängen“ muss man selbst beschützt werden. Meistens.

In Therapie geht es als Kernziel darum, an einen Punkt zu gelangen, an dem man die Entscheidungen für sein Handeln selbst treffen kann. Anstelle von automatisierten Mechanismen, die ablaufen und kranken, zum Selbstschutz entstandenen, Mustern, denen man blind folgt, treten Wahloptionen, die dem Wechselspiel zwischen der inneren dissoziativen Identitätsstruktur und den äußeren Schlüsselreizen, den Triggern, entwachsen, oder besser gesagt: entrissen, sind.

Jede Handlung ist Ausdruck eines Symptoms. Man muss lernen die in Gang gesetzten Prozesse zu verstehen. Das ist Milimeterarbeit für die es wissenschaftlich gut ausgebildete Psychologen braucht. Traumabewältigung ist ein Mienenfeld, in das die Unwissenheit hineinrennt und zerfetzt wird.  Was dann für beide Seiten gilt.

Und dieses große, angestrebte Wort Struktur….ist jeden Tag auf’s neue  ein Kampf gegen die Blindheit, die ausbricht, so bald ein äußerer, externer Rahmen weggebrochen ist.

So wie die Zeit, die, seitdem die Behandlung in der Klinik nun vorbei ist, sich im Abstrakten verliert. Jeden Tag arbeitet man daran einen Bezug zu ihr gewinnen, was leider so nicht funktioniert. Man schreibt Pläne auf Zettel und überträgt sie in Tabellen, stellt den Wecker danach, versucht sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln daran zu halten…doch das Bemühen versinkt im weiten Meer der inneren Entfremdung, die ohne äußere Ansprüche, nach denen sie sich richten kann, allgegenwärtig ist.

Man ist überfordert als Vermittler bei dem ständigen Versuch eine Verbindung herzustellen, zwischen dem Gleichklang einer inneren Polyphonie und einem äußeren Anspruch, den man anzustreben hat er selbst zu sein, ohne den Inhalt des Worts „ich“ tatsächlich zu kennen oder gar im Entferntesten zu verstehen, worauf es sich bezieht.

Und, das da drin, das einen wegdrückt und zur Seite schiebt, lässt einen dabei nie aus den Augen. Doch man selbst kann es nicht sehen. Man bemerkt nur seine Spuren, im Nachhinein, wenn es wie immer zu spät ist.

 

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