dokument #4

Da draußen verwechseln sie oft DIS mit Schizophrenie. Das bemerkt man, wenn man hört, wie sie darüber Witze reißen. Sie spötteln über das zweite und meinen das erste.

So entstehen Vorurteile/ Stigmata, die sich verbreiten. Jekyll und Hyde…

Ich habe noch nie gehört, dass jemand Fragen stellt darüber. Fragen zur Symptomatik, zu den Ursachen….und wie man damit lebt.

Meist geht es in den Witzen darum, dass „der eine Teil der Persönlichkeit“ etwas sagt oder tut, das „der andere Teil“ dann bestätigt, kommentiert oder nicht mitbekommen hat.

Als ich mal auf meinen ehemaligen Betreuer wartete, riss er vor mir einen solchen Witz, erzählte in seiner Kollegin.  Ihn zu hören tat weh. Wie als Kind, aus dem nichts heraus geschlagen werden, so fühlte es sich an. Der Betreuer war in ausgelassener Stimmung, als er sich mir zu wandte :“Spaß muss auch mal sein..“, sagte er und war mit sich zufrieden.

Da dachten sie noch, dass ich eine Persönlichkeitsstörung habe. Und jedes mal, wenn sich im Laufe der Therapie herausstellte, das zu viel zu tief in mir verwurzelt ist und „Leidensdruck erzeugt“ oder „ein Problemverhalten ist“ und „dringend weiter behandelt werden müsse“, erzählte ich das dem Betreuer.

Jedes mal riss er dann die Augen weit auf und sagte :“was, Du sollst eine Essstörung haben“ „was, Du sollst Dich selbst schädigen ?“…„…das kann doch nicht sein!“

Das war nicht sonderlich hilfreich, dass er das jedes mal so sagte. Denn wenn man sich selbst nichts glaubt, denkt kein Recht drauf zu haben Hilfe zu erhalten, weil sie den eigenen Selbstwert wegmissbraucht haben, entwickelt eine solches Abgesprochen-bekommen von „professioneller“ Seite eine ganz eigene, selbstschädigende Dynamik.

Es ist invalidierend.

Der Betreuer ist von einer sehr seltenen Hauterkrankung betroffen. Dafür muss er oft und regelmäßig sehr weite Strecken fahren, damit diese Hauterkrankung in einer ganz bestimmten Klinik behandelt wird.

In der Regel fährt er Freitag morgens los. Er fährt dann alleine mit dem Zug. So vergeht das Wochenende. Ich kann mir vorstellen, dass er lieber andere Sachen täte mit seiner Zeit, als alleine diese weiten Fahrten auf sich zu nehmen, nur deswegen, weil seine Haut an etwas sehr seltenem erkrankt ist.

Ich habe noch nicht einmal, das mir fremde Bedürfnis verspürt, über diese Hauterkrankung Witze zu reißen, obwohl „Spaß ja mal sein muss“…Wenn ich etwas nicht kenne, stelle ich Fragen, um es zu verstehen, anstatt darüber zu spotten, um so mein eigenes Leid für einen Moment zu verdrängen, zu überspielen.

DIS ensteht aus frühen, tiefen Traumata. Da muss schon einiges passiert sein. Dafür erwarte ich kein Mitleid. Aber auch keinen Spott.

 

Ich auch.

Und ich auch

HaHa

 

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